Fastenzeit
Wer nicht jeden Tag etwas für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern. Sebastian Kneipp

Die meisten verbinden mit Fasten in erster Linie Verzicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Nutzen für die Gesundheit und das Wohlbefinden überwiegt. Deshalb ist es mir ein Bedürfnis dir zu vermitteln, warum Fasten sinnvoll ist und welche Auswirkungen Fasten auf deinen Körper und Geist hat. Ich bin mir (fast) sicher, dass du Lust bekommst das Fasten auszuprobieren.

Inhalt

Warum sollte man fasten?

Oft wird Fasten mit Diät verwechselt. Das ist es keineswegs. Fasten dient in erster Linie der Besinnung und inneren Reinigung. Es bezeichnet allgemein das freiwillige und bewussten Pausieren von Nahrungsaufnahme in einem bestimmten Zeitraum. Dadurch sind wir weniger abgelenkt und richten mehr Aufmerksamkeit auf andere Aspekte unseres Lebens. Im Grunde fastet jeder von uns während der Nachtruhe. Das Wort Breakfast aus dem Englischen bezeichnet genau das – das Fastenbrechen.

Wenn wir am Abend mal zu spät gegessen haben, benötigen wir theoretisch morgens keine Mahlzeit. Der Körper braucht eine Essenspause die mindestens zehn bis zwölf Stunden lang ist. Während der Pausen holt sich der Körper die Energie aus den körpereigenen Nahrungsdepots. Die Gewichtsabnahme muss dabei nicht im Vordergrund stehen. Habt ihr schon länger daran gedacht eure Ernährung umzustellen? Dann kann das Fasten als Auftakt genau das Richtige für euch sein.

Welche Fasten-Arten gibt es?

Es gibt die religiöse Fastenzeit zum Beispiel im Christentum von 40 Tagen (Sonntage ausgenommen), die Aschermittwoch beginnt und in der Osternacht endet. Ursprünglich sollte man in dem Zeitraum nur auf Fleisch verzichten. Wusstet ihr, dass der rheinische Karneval übersetzt „Fleisch ade“ heißt? Das Verbot von Alkohol hat keine Tradition, sondern hat sich über die Jahre etabliert.

Mittlerweile wird die Fastenzeit weniger streng als damals gehandhabt. Viele verzichten in der Zeit eher auf Süßigkeiten, Rauchen oder andere Genüsse. Während des Ramadan im Islam wird 30 Tage lang zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nichts gegessen oder getrunken. Auch in anderen Religionen wird einmal im Jahr gefastet. Neben den religiösen Fastenzeiten steht heute mehr der gesundheitliche bzw. heilende Effekt des Fastens im Vordergrund.

Man sagt, dass Fasten der heilsame Königsweg ist und maßgeblich zur Linderung von Beschwerden und Krankheiten beitragen kann. Fasten kann jeder der gesund ist. Bei Beschwerden sollte das Fasten in Absprache mit einem Arzt durchgeführt werden. Heilfasten kann euch als Therapiemaßnahme bei der Vorbeugung von ernsthaften Krankheiten helfen. Diese Art von Fasten wird meist unter ärztlicher Betreuung in Fasten-Kliniken durchgeführt. Hierzu könnt ihr mit eurem Hausarzt ein Gespräch suchen, um einen entsprechenden Antrag bei der Krankenkasse zu stellen. Das Schöne am Fasten ist, dass es nicht nur über einen längeren Zeitraum funktioniert. Schon kurze Intervalle ohne Essen genügen, um seinem Körper etwas Gutes zu tun. Folgende Fasten-Modelle sind leicht in den Alltag zu integrieren:

  • Beim Intervallfasten oder intermittierendem Fasten wird in einem festgelegten Zeitrahmen gegessen und in einem restlichen Zeitraum nicht. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit in der Woche einen oder mehrere feste Fastentage einzulegen. An den Fastentagen wird dann nur Wasser, ungesüßter Tee oder Brühe getrunken. Ich faste nach dem 16/8-Prinzip. Das heißt, ich esse innerhalb von 8 Stunden ab 12 Uhr bis 20 Uhr und danach nicht mehr. Wichtig ist, auf die Details zu achten: Der morgendliche Kaffee mit Milch oder Zucker zählt bereits als Nahrung und auch der abendliche Wein. Ich trinke morgens einen Liter Ingwerwasser und grünen Tee. Abends versuche ich mir mein gelegentliches Glas Wein oder Bier bis 20 Uhr zu gönnen. Allerdings bin ich dazu übergegangen, unter der Woche keinen Alkohol mehr zu konsumieren, da es sich negativ auf den Stoffwechsel auswirkt und die Fettverbrennung verlangsamt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich bin der Meinung, man sollte die Feste feiern, wie sie fallen und sich nicht dauerhaft etwas verkneifen. Die Psyche ist beim Fasten nicht zu unterschätzen. Wenn man ständig verzichtet, dann kommt es eher zu Heißhunger-Attacken.
  • Bei einer Fastenkur fastet man für einen längeren Zeitraum, meistens eine oder mehrere Wochen am Stück. Es gibt auch betreute Fasten-Gruppen, wo man unter einer Leitung mit Gleichgesinnten zusammen fastet.  Man unterscheidet verschiedene Fasten-Arten:
    • Beim Buchingerfasten wird zunächst der Darm entleert mit Glaubersalz oder Bittersalz und im Anschluss nur noch flüssige Nahrung in Form von Tee, Säften oder Gemüsebrühe konsumiert.
    • Hingegen wird beim Basenfasten nach der Darmentleerung langsam auf eine basische Ernährung gesetzt. Es werden überwiegend basenbildende Lebensmittel gegessen, die den Körper beim Entsäuern unterstützen.

Wunder der Natur

Körperlich gesehen ist Fasten ein natürlicher Prozess. In der Steinzeit war es nicht möglich zu jeder Zeit an Nahrung zu gelangen, sodass der Mensch sich auf längere Hungerphasen einstellen musste. Was für uns heute undenkbar erscheint, ist also von der Natur vorgesehen. In den Ruhezeiten regeneriert sich der Körper und stößt Heilungsprozesse an.

Wir sind sogar leistungsfähiger, da der Organismus weniger mit der Verdauung beschäftigt ist. Fasten kann bei hohem Blutdruck helfen sowie Entzündungen hemmen. Erstaunlich ist auch, dass es die Alterungsprozesse verlangsamt. Da der Körper entgiftet, ist es vor allem bei längeren Fastenkuren sinnvoll die Leber mithilfe von Leberwickeln dabei zu unterstützen.

Was passiert beim Fasten im Körper?

Es ist ein Irrglaube, dass uns Essen mehr Energie verleiht. Der Körper bezieht seine Kraft nicht unmittelbar aus der Nahrung. Wir haben genug Reserven, die wir abrufen können. Für das Fasten ist ein Umdenken nötig. Wir müssen in uns und in unseren Körper vertrauen, dass er imstande ist eine Zeit lang ohne Nahrung auszukommen.

Bei einer Fastenkur bekommt der Körper durch eine Darmentleerung das Signal, dass das Fasten begonnen wird. Dadurch wird auch im Gehirn ein Prozess angestoßen, der uns das Fasten erleichtert. Beim Fasten stellt der Körper sehr schnell auf die Fettverbrennung um. Es gibt es keinen Jo-Jo-Effekt, wie bei den meisten Diäten. Eine Gewichtsabnahme ist meist nachhaltig.

Der psychische Effekt ist auch nicht zu vernachlässigen. Es werden Hormone freigesetzt, die die Stimmung aufhellen und Stress reduzieren. Man muss in dem Fasten-Zeitraum nicht auf Sport verzichten. Es ist wichtig, auf seinen Körper zu hören. Ich hatte sogar mehr Energie und bin beim Basenfasten ohne Probleme täglich 10 km gewandert.

Es gilt eine Sportart zu finden, die dir gefällt und Spaß macht. Das muss nicht immer anstrengend sein, sondern kann auch entspannend bzw. ausgleichend sein wie Yoga. Hier kann jeder auf seinem eigenen gewünschten Level trainieren. Ob Anfänger oder fortgeschritten.

Wie kann man durchhalten?

Wichtig ist, dass wir wirklich bereit sind zu fasten, denn wenn wir einen inneren Widerstand verspüren oder widerwillig fasten ist der Wille durchzuhalten zu gering. Wir dürfen uns öffnen für eine Möglichkeit uns und unseren Körper auszuprobieren und neu kennenzulernen. Wir dürfen entschlossen sein, durchzuhalten. Wenn ihr nicht allein lebt und von eurem Partner oder eurer Familie umgeben seid, dann ist es wichtig eure Lieben darüber zu informieren, dass ihr fastet.

Stellt am besten einen gemeinsamen Plan für den Alltag auf, damit es euch leicht gemacht wird und fordert den nötigen Respekt ein. Weist darauf hin, dass ihr öfter Ruhephasen benötigt und dass es auch zu Stimmungsschwankungen kommen kann. Bittet um Verständnis und darum euch nicht in Versuchung zu bringen.

Wenn es euch leichter fällt, dann bleibt zu Hause und haltet euch fern von möglichen Ablenkungen. Wenn ihr kein Wasser mehr sehen, könnt dann greift zu Alternativen. Auch im Restaurant könnt ihr einen frischen Pfefferminztee oder ein Glas heiße Zitrone ohne Zucker bestellen. Ein Glas frisch gepresster O-Saft kann euch bei einem Durchhänger helfen.

Und wie geht’s danach weiter?

Nach dem Fasten ist es besonders wichtig seine Gewohnheiten zu hinterfragen. Oft essen wir, obwohl wir überhaupt keinen Hunger verspüren. Und wir essen meistens zu viel. Weil wir zu schnell essen und nicht fokussiert dabei sind, merken wir oft nicht, dass wir längst satt sind. Wie oft bzw. regelmäßig ihr fastet, entscheidet ihr selbst.

Es ist sinnvoll sich vorzunehmen mindestens einmal im Jahr eine Fastenzeit einzulegen. Nach der Fastenzeit solltet ihr euch mit neuen Rezepten und neuen Lebensmitteln auseinandersetzen. Wichtig ist erst einmal vollwertig und keine schwer verdaulichen Nahrungsmittel zu essen. Das heißt verzichtet möglichst noch auf Fleisch, Wurst, Käse und Backwaren.

Achtet auf eine gute und frische Qualität eurer Lebensmittel und dass diese so naturbelassen wie möglich sind. Rohkost enthält viele Vitamine und Mineralstoffe, die für uns wichtig sind. Beim Fasten kommst du dir selbst wieder näher und kommst auf andere Gedanken, die dich weiterentwickeln.

Meine Fastenwoche auf Sylt hat bei mir ziemlich viele Veränderungsprozesse angestoßen und ich bin bis heute dankbar, dass ich mir diese besondere Zeit für mich genommen habe. Vor allem das Gefühl im Nachhinein, dass ich es ausprobiert und geschafft habe, macht mich bis heute stolz und hat neue Energien freigesetzt. 💪


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