Bach mit Farn im Wald

Waldbaden, auch Shinrin-yoku genannt, kommt ursprünglich aus Japan. Dort wird es als Therapieform gegen Stress und Burn-out eingesetzt. Dabei hält man sich ganz bewusst eine Zeit im Wald auf. Anders als bei einem Spaziergang oder einer Wanderung liegt der Fokus auf Entspannung und Achtsamkeit. Alle Sinne werden somit geschärft und die Wahrnehmung gestärkt. Also wage ich den Selbstversuch, weil ich neugierig bin, welche Wirkung das Waldbaden auf mich hat.

Weit im Voraus freue ich mich auf diesen Tag, ohne zu wissen, was mich genau erwartet. Endlich ist es so weit und ich lasse mich auf das Abenteuer Waldbaden ein. Als ich am vereinbarten Treffpunkt ankomme, bin ich noch unfrei und schleppe gedanklich die Anforderungen des Alltags mit mir herum. Termine und Verpflichtungen gehen mir durch den Kopf. So gesehen, starte ich aber auch ohne Erwartungen an den Tag. Lediglich der Wunsch nach innerer Ruhe und Entspannung ist vorhanden.

Unsere einfühlsame Kursleiterin Karin stellt sich individuell auf unsere Bedürfnisse ein. Im Laufe des Waldbadens zieht sie immer wieder unerwartet das ein oder andere Schmankerl aus Ihrem Rucksack. Ganz bewusst nehme ich in diesem Bericht nicht zu viele Details vorweg, denn ein bisschen Überraschung gehört dazu. Jedoch möchte ich Lust machen auf ein besonderes Erlebnis, was mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Eintauchen in den Wald

Und dann geht’s los. Die ersten Meter bin ich gedanklich noch ganz woanders. Das merke ich und es ärgert mich. Es fällt mir schwer ganz im Hier und Jetzt anzukommen. Ich stehe halt im Wald. Noch ist mir nicht bewusst, wie besonders das eigentlich ist. Es fühlt sich zunächst an, wie jede normale Wanderung. Doch das Tempo ist wesentlich langsamer und es gibt kein wirkliches Ziel. Das macht am Ende auch den Unterschied.

Es gibt nichts zu tun und nichts zu erreichen. Im Alltag sind wir oft getrieben von den Pflichten und hetzen von Termin zu Termin, um allen gerecht zu werden. Dabei vergessen wir oft uns selbst und unser Bedürfnis nach Ruhe, um in Balance zu bleiben. Denn nur, wenn wir uns regelmäßig erholen, haben wir auch wieder genug Energie, um mit neuer Kraft durchzustarten.

Wir schlendern also durch die Natur und halten an verschiedenen Stellen an. Dort bekommen wir kleine Übungen, Aufgaben, Impulse oder halten einfach Inne. Gerne auch mal Abseits des Weges. Es findet ein klarer Perspektivenwechsel statt. Ich sehe den Wald plötzlich mit anderen Augen und fühle mich wie ein kleines Kind, was neugierig und mit Freude neues entdeckt und ohne Vorbehalte ausprobiert. Meine Gedanken verstummen. Auf einmal sind die Farben intensiver, die Geräusche im Wald lauter und es duftet bei jedem Atemzug etwas frischer.

Der Fokus liegt dabei stets auf dem bewussten Körpergefühl, immer achtsam und in Stille. Um Ruhe einkehren zu lassen, schweigen wir die ganze Zeit. Auch das Handy bleibt aus und wird lediglich für das ein oder andere Foto benutzt, auf dem man die kleinen Wunder um einen herum festhält. Die inspirierenden Geschichten oder Gedichte, die Karin vorträgt, regen zum Nachdenken an.

Nach ungefähr einer Stunde bin ich ein Teil vom Wald. Ich verwachse mit der Natur, als würde ich selbst Wurzeln schlagen und fange an die kleinen Wunder um mich herum zu erkennen. Ich entschleunige deutlich.

Die Grünkraft macht uns stark

Das Selbstverständliche wird auf einmal besonders. Ich fühle mich tief verbunden mit der Natur und tauche ganz ab. Durch das langsame und bewusste Gehen entschleunige ich. Tatsächlich wird schon nach einer halben Stunde im Wald der Blutdruck gesenkt, die Herzfrequenz verlangsamt und das Stresshormon Kortisol reduziert. Und das sind nur ein paar positive Wirkungen, die das Waldbaden mit sich bringt.

Wir lernen eine Menge über die gesunden Auswirkungen der Natur. Ich bin immer wieder fasziniert von der grünen Heilkraft, die für uns alle so leicht erreichbar ist. Selbst in einer Pandemie steht uns dieses Erlebnis jederzeit zur Verfügung. Viele Menschen haben die Natur vor der Tür und im Grunde liegt das Gute so nah. Wir dürfen uns nur immer wieder daran erinnern, dass wir ein Teil von ihr sind und dass wir uns Ihrer positiven Wirkung jederzeit bedienen dürfen. Sie heißt uns stets willkommen und wer offen ist, der findet immer das, was er gerade benötigt. Man wird stets reich beschenkt.

Meine Wertschätzung und Respekt vor der Umwelt steigen und ich empfinde geradezu Demut. Ein emotionaler Moment, den ich mit meinen lieben Begleiterinnen teilen darf. Wir sind und bleiben alle miteinander verbunden.

Zeitlos und frei

Am Ende fühle ich mich freier und trotzdem mehr verwurzelt. Mein Kopf ist ruhig und es ist so friedlich an diesem Ort. Ewig möchte ich verweilen, gemeinsam mit meiner angenehmen Gesellschaft. Doch die Zeit geht leider viel zu schnell herum, abgesehen davon, dass man das Zeitgefühl beim Waldbaden komplett verliert. Zeit spielt hier nämlich keine Rolle.

Ich ging in den Wald mit vollem Kopf und kam erholt heraus – ganz geerdet im Einklang mit all den anderen Lebewesen, im inneren Fluss, wie der plätschernde Bach und leicht wie der Wind, der mir um die Nase wehte. Aufgeladen wie ein Akku und durchflutet von den warmen Sonnenstrahlen.

Das war sicher nicht mein letztes Mal Waldbaden. Das nächste Mal wird es vermutlich anders werden, weil wir, wie die Natur, in stetiger Veränderung und Entwicklung sind. Diesmal nehme ich mit, dass ich im Alltag wieder mehr auf mich achte und mir nötige Auszeiten nehme. ⏸

Hast du auch Lust das Waldbaden auszuprobieren? Dann lege ich dir Forest-Medicine ans Herz. Die erfahrene Karin Wiessmann ist zertifizierte Kursleiterin für Waldbaden und bietet das achtsame Naturerlebnis für Jung und Alt an. Sie hat ein Händchen für Menschen und stellt das ebenso als professioneller Coach unter Beweis.
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